Kategorie: Rugby

Kripke bei Europameisterschaft

Nachdem die Deutsche Rollstuhlrugby-Nationalmannschaft das Ticket für die paralympischen Spiele in Rio beim Qualifikationsturnier in Paris liegen gelassen hatte, reiste sie in diesen Tagen umso motivierter zur European Championship in Koblenz an. Mittendrin: Britta Kripke vom Alstersport Hamburg.

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Alstersportlerin Britta Kripke tritt als feste Größe der Deutschen Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften im Rollstuhlrugby an.

Die Spiele der 11. Europameisterschaft im Rollstuhlrugby werden vom 27. Juni bis 1. Juli 2017 in Koblenz ausgetragen. In der Vorrunde trifft Deutschland auf Finnland, Schweden und Frankreich. Ziel ist das Erreichen des Halbfinales, womit zugleich die Teilnahme an der WM 2017 in Sydney gesichert wäre. Nicht einfach, aber machbar. Das Schlüsselspiel dürfte dabei das Spiel gegen Schweden werden.

Viele Daumen werden natürlich auch in Hamburg gedrückt. Gerade bei den Ruggers vom Alstersport ist man gespannt, wie Chefcoach Christoph Werner die Hamburgerin einsetzen wird. „Die Entwicklung von Britta ist beeindruckend“, so Stefan Ebert, Gründungsmitglied vom Alstersport Hamburg und 1. Vorsitzender des Fachbereiches Rollstuhlrugby im DRS. Sie ist zwar seit 2007 bei uns, Spitzensportförderung auf Bundesebene kommt ihr aber erst seit recht Kurzem zugute. Früher und mindestens genauso wichtig waren die Förderungen durch die Aktion Glückspfennig, der Alexander-Otto-Sportstiftung und den Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Hamburg, ohne die Sport auf diesem Niveau kaum noch möglich ist.

Feste Größe als Stammspielerin ist Britta auch beim Deutschen Vizemeister 2017 (und 2015), den Greifswalder Rollmöpsen. Dort spielt sie zusammen mit Matthias „Matze“ Ströh und Samit Arora aus ihrem Hamburger Team. Ihre diesjährigen Auszeichnungen als bester 0,5-Punkte-Spieler beim internationalen Real Deal Low Point Tournament in Karlsruhe sowie beim zweitgrößten europäischen Rugbyturnier, dem Amsterdam Quad Rugby Tournament, als bester 0,5-1,5(!) unterstreichen ihre steile Formkurve nach oben.

Wer Lust hat, kann die Spiele auch online verfolgen. Oder man fährt direkt nach Koblenz und schaut dabei auch gleich einmal, wie sich der ein oder andere Sportfreund in der Dänischen Nationalmannschaft macht. Vielleicht wird in Koblenz ja etwas gezeigt, was man sich bei einem unserer deutsch-dänischen Gemeinschaftsprojekten im Alstersport beigebracht hat. Vielleicht.

Spannend wird es allemal.

Neuer Rugby-Rollstuhl

Mit Unterstützung der Shell Deutschland und der Bezirksversammlung Eimsbüttel haben wir für unsere Rollstuhlrugby-Abteilung ein neues Sportgerät anschaffen können. Der neue Rugby-Sportrollstuhl „Invader“ der Firma Otto Bock ersetzt ein inzwischen vollständig verschlissenes Exemplar aus 2009, das wir gebraucht von einem anderen Sportverein übernommen hatten.

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Der neue Rugby-Lowpoint-Stuhl (rechts im Bild, im Einsatz mit Birgit, Nr. 7) während seiner Wettkampfpremiere auf dem Bernd-Best-Turnier 2017 in Köln.

Den Lowpoint-Stuhl setzen wir künftig sowohl im Trainingsbetrieb als auch für die Teilnahme an Wettkämpfen unseres Regionalligateams ein. Da Sportgeräte (mit Ausnahmen bei Kindern und Jugendlichen) keine regulären Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind, müssen wir gemeinsam mit Unterstützern andere Wege finden, um die benötigten Sportgeräte anzuschaffen.

„Die Unterstützungen der Shell Deutschland und der Bezirksversammlung Eimsbüttel kamen sehr gut an und haben uns enorm weitergeholfen“, sagte Vorstandsvorsitzender Markus Werner bei der Übergabe des Sportgeräts. Dem Übergabetermin war eine fast einjährige Planungs- und Anfertigungszeit vorausgegangen.

Deutsch-Dänisches Projekt

Es begann vor ein paar Jahren beim weltgrößten Rugby-Turnier in Köln, dem Bernd-Best-Turnier, und wurde unter anderem bei einem Turnierbesuch der Hamburger im dänischen Egmont fortgeführt: Nach sportlichen Beulereien auf dem Feld und geteilten Kaltgetränken an den Abenden war eine grundsätzliche Sympathie zwischen diversen Aarhusenern und Hamburgern entwickelt. Und so stieß die Anfrage der dänischen Sportfreunde, ob und unter welchen Bedingungen eine Teilnahme am deutschen Ligabetrieb möglich sei, auf offene Ohren.

Dänemark ist da wie Norddeutschland: Tolle Lebensqualität, aber eher dünn besiedelt. Der Wunsch nach mehr Abwechslung kommt auch den Deutschen entgegen. Also galt es, die Liga-Regeln zu studieren, Ideen zu entwickeln, den Vorstand einzubinden und am Ende stand eine Lösung. Der Alstersport e.V. hat nun einige Mitglieder mehr und eine weitere Mannschaft, die in der kommenden Saison unter der Hamburg-Flagge in der 2. Bundesliga starten wird. Eine Mannschaft bestehend aus zehn motivierten Dänen. Hierzu sagt Stefan Ebert, Hamburger und zugleich 1. Bundes-Vorsitzender des Fachbereichs Rollstuhlrugby: „Es ist toll, mit Menschen zu tun zu haben, die den Sport voran bringen wollen, offen denken und zielorientiert agieren. Ein großes Dankeschön auch und gerade an den Alstersport-Vorstand.“

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Groß was los beim ersten länderübergreifenden Training in Hamburg.

Aber warum auf halber Strecke stehen bleiben? Und so kam auch rasch die Idee auf, gemeinsames Training zu veranstalten. Am 22./23. Oktober war es dann soweit: Zwölf Dänen aus Aarhus reisten zum ersten gemeinsamen Trainingslager nach Hamburg. Beide Teams weisen eine ähnliche Spielerzusammensetzung auf: Vom Freizeitsportler bis zum ambitionierten Spieler auf Natio-Niveau fand sich alles. Es sprach für den Willen und die Planung, dass das Trainingslager so aufgebaut wurde, dass wirklich alle ein zufriedenes Fazit ziehen konnten.

Was wird in Erinnerung bleiben? Ohne Zweifel der Spaß. Für die Deutschen war es ein deutlich schnelleres Training, das auch dem einen oder anderen einen realistischen Eindruck von seinem aktuellen Trainingszustand vermittelte. Für andere war es eine willkommende Gelegenheit, auf höherem Niveau zu spielen.

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Deutsch-dänisches Rugby-Trainingslager in Hamburg.

Für den reibungslosen Ablauf waren die Initiatoren und Organisatoren Robert Steinbeck und Torben Nygaard verantwortlich und viele fleißige und unterstützende Hände. Sportlich, menschlich und organisatorisch war, da waren sich alle einig, das erste deutsch-dänische Trainingslager letztlich ein großer Erfolg. Ambitionierte Ideen für die nächsten Grenzüberschreitungen gibt es schon.

Erfolgreiche Zweitligasaison

Zum letzten Doppelspieltag in der 2. Bundesliga Nord reiste unser erstes Rollstuhlrugby-Team am letzten Wochenende nach Sachsen-Anhalt ins idyllische Biederitz. Gut gelaunt und optimistisch startete die Mannschaft um Spielertrainer Matthias Ströh in das erste Spiel gegen Köln, das auch sehr schnell für Hamburg entschieden und am Ende mit 36:28 gewonnen werden konnte.

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Dritter der 2. Bundesliga Nord: Alstersportler Matthias Ströh, Britta Kripke, Frank Richter, Robert Steinbeck, Samir Arora und Daniel Budweg (v. l.).

Schwerer taten wir uns allerdings mit den Gegnern aus Hannover. Obwohl diese anfangs nicht einmal mit ihren vermeintlich stärksten vier Spielern auf dem Feld standen, kam Hamburg nur schwer ins Spiel. Am Ende konnten wir das Nordderby aber dennoch mit 47:42 für uns entscheiden.

Am Sonntagmittag trafen wir auf unseren schwersten Gegner,  den SV Eiche 05 Biederitz. Hier gelang es dem Team aus dem Norden lediglich, die ersten beiden Viertel gut mitzuhalten. Das hohe Niveau zehrte sehr an den Kräften und am Ende entschied der Gastgeber aus Sachsen-Anhalt dank besserer Kondition das Spiel mit 43:48 für sich.

Das spannendste Spiel war zweifelsohne das letzte gegen Bochum. Nachdem die Alstersportler ziemlich schnell in Führung gegangen waren, kamen die Bochumer im letzten Viertel noch einmal bedrohlich dicht heran. Am Ende gewann unser Team mit 46:42.

Trotz unseres Sieges gegen Hannover ging der Titel des Vizemeisters leider nicht an uns. Sowohl Hamburg als auch Hannover hatten insgesamt fünf Siege eingefahren. Am Ende zählte das direkte Torverhältnis – und da haben die Niedersachsen die Nase deutlich vorn.

„Mit unserem dritten Platz in der 2. Bundesliga Nord können wir dennoch sehr zufrieden sein“, resümiert Nationalspielerin Britta Kripke die nun beendete Saison.

Es fehlte der Biss

Das dritte und für die Saison 2015/16 letzte Spielwochenende in der Rollstuhlrugby-Regionalliga Nord-Ost ging für den Gastgeber Alstersport mit vier zum Teil äußerst knappen Niederlagen aus. Während die Mannschaft im Januar noch sämtliche Spiele gewann, blieb die Leistung zu Hause deutlich hinter den Erwartungen zurück. Insgesamt fehlte der Biss. Am Ende schloss Alstersport in der Gesamttabelle punktgleich mit den Mannschaften aus Berlin und Erfurt ab, die jedoch wegen der schlechteren Tordifferenz auf die Plätze 5 und 6 verwiesen werden konnten. Die Hamburger erreichten den undankbaren 4. Platz.

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Trotz Foul bringt Wolfgang den Ball sicher über die Torlinie.

Begonnen hatte alles gut: Im ersten Spiel gegen die Löwen aus Leipzig lieferte man sich über drei Viertel einen regelrechten Schlagabtausch. Mal führte Hamburg, mal Leipzig. In den letzten Spielminuten schlichen sich nach mehreren Unkonzentriertheiten reihenweise Fehler ein, die die Leipziger nutzten, um das Spiel mit einem hauchdünnen Vorsprung (35:37) für sich zu entscheiden.

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Der Versuch scheitert: Frank lässt sich den Ball nicht aus der Hand nehmen.

Das zweite Spiel gegen die Rollmöpse aus Greifswald verlief zunächst wesentlich träger. Keine der beiden Mannschaften war richtig wach. Nach der Halbzeitpause führte Greifswald mit einem Punkt. Beide Mannschaften drehten auf, lieferten sich ein Kopf-um-Kopf-Rennen, bei dem die Führung lange Zeit wechselte. Im letzten Viertel brach erneut die Konzentration der Hamburger ab, nach einigen Fehlern konnten die Greifswalder vorbei ziehen und am Ende mit 32:38 das Team aus Hamburg besiegen.

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Gerade noch gerettet: Robert fängt den Ball auf den letzten Zentimetern ein.

Das dritte Spiel, am Sonntagmorgen gegen die Thüringer Bullen aus Erfurt, machte zunächst einen dynamischen Eindruck, wenngleich sich richtige Kampfszenen nach wie vor vermissen ließen. Auf beiden Seiten stand die Verteidigung lange Zeit eisern, am Ende reichte es auch hier nicht für den ersten Hamburger Sieg und die Bullen gewannen mit 17:21.

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Zum Einwurf bereit: Zeitweise ließen die Hamburger klare Absprachen vermissen.

Im vierten und letzten Spiel gegen die Hannover Neckbreakers sollte aber nun endlich etwas gelingen. Aber auch hier wirkte das Team nur phasenweise richtig wach. Hannover verspielte einige klare Chancen, das Glück war eine Zeitlang eindeutig auf Hamburger Seite. Am Ende gelangen den Niedersachsen zwei Tore mehr als den Alstersportlern und Hannover zog mit 30:32 davon.

Traum von Rio geplatzt

Bei einem Qualifikationsturnier in Paris wollte die deutsche Nationalmannschaft im Rollstuhlrugby das nachholen, was sie bei den Europameisterschaften Monate zuvor knapp verpasst hatte: Eine der beiden letzten Fahrkarten für die Paralympics in Rio de Janeiro lösen.

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Die deutsche Nationalmannschaft im Rollstuhlrugby – von Alstersport mit dabei: Britta Kripke (4l).

Mittendrin ist die Hamburgerin Britta Kripke, die als einzige Frau in der gemischten Nationalmannschaft spielt. Für Alstersport geht Britta mit unserem ersten Rugbyteam in der 2. Bundesliga an den Start.  Selbstverständlich haben wir unser Mitglied auf dem Weg nach Rio bestmöglich unterstützt. Mit Hilfe von Airbus und der Alexander-Otto-Sportstiftung ist es uns gelungen, einen neuen Rugby-Sportrollstuhl für den Verein anzuschaffen, der noch vor dem ersten Trainingslager ausgeliefert wurde. So war es möglich, unserem Mitglied rechtzeitig ein erstklassiges Equipment bereit zu stellen.

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Im Natio-Trikot: Britta auf dem Weg nach Rio.

Durch eine Individualförderung über unseren Landesverband BRSH konnten außerdem finanzielle Lücken bei den immensen Reisekosten zu Trainingslagern und Vorbereitungsturnieren sowie für Verbrauchsmaterial und trainingsbegleitende Maßnahmen geschlossen werden. „Auch wenn ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass paralympische Spitzensportler eines Tages mit ihrem Sport Geld verdienen werden, bin ich heute sehr glücklich, dass mich so viele Menschen auf meinem Weg unterstützen. Bei ihnen bedanke ich mich herzlich.“

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Allein unter Männern: Britta Kripke (2r) im Team der Nationalmannschaft.

Trotz anstrengender Vorbereitung mit vier Trainingscamps und der Teilnahme an einem Turnier in Vancouver hat es am Ende nicht gereicht. Bei der Qualifikation für das Halbfinale scheiterte das deutsche Team gegen Dänemark mit 47:55. Die beiden Paralympics-Tickets sicherten sich die USA und Gastgeber Frankreich.

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